Monday Thoughts #3 | 6 Monate

Vor sechs Monaten habe ich dich auf die Welt gebracht. Unter Schmerzen. Und glaub‘ mir, ich weiß noch genau, wie weh diese Geburt tat. Ich erinnere mich noch an die Wehen, an die Einleitung, an die vermaledeiten Rückenschmerzen, die einfach nicht aufhören wollten. Ich erinnere mich an die unzähligen CTGs und an die Momente, in denen dein Herzschlag unter den Wehen auf einmal schwächer wurde. Entgegen der landläufigen Meinung habe ich die Geburtsschmerzen nicht vergessen. Aber ich würde diese Schmerzen jederzeit wieder für dich in Kauf nehmen!
Nur an eines erinnere ich mich nicht: An den Moment, in dem du meinen Körper verlassen hast und die Nabelschnur durchtrennt wurde. Ich erinnere mich nicht an deinen ersten Schrei und auch nicht daran, wie du aussahst, direkt nach deiner Geburt. Denn ich war unter Vollnarkose. Die PDA schlug nicht so an, wie sie sollte, ich hatte so viel des Betäubungsmittels in mir und spürte trotzdem noch Schmerz – deshalb mussten die Ärzte mich narkotisieren, um dich endlich auf diese Welt zu holen. Leider konnte auch dein Papa nicht dabei sein. Aber dafür hatte er eine wertvolle erste Stunde mit dir, ehe ich aus dem OP kam.

Und heute? Heute bist du sechs Monate alt. Du trägst Größe 68, manchmal auch schon 74. Du wiegst gute sieben Kilogramm. Du bist meistens fröhlich und meckerst nur aus drei Gründen: Wenn du die Windel voll hast, wenn du hungrig bist oder wenn du dringend schlafen musst. Sonst bist du der familiäre Sonnenschein. Alle sind voller Liebe für dich. Nicht nur Papa und ich, sondern auch Omma und Oppa, Omma und Oppa Höntrop, dein Onkel und deine Tante, dein Patenonkel, und deine beiden Adoptivtanten. Und noch so viele Leute mehr! Du wirst quasi mit Liebe überschüttet.

Am Anfang hast du wahnsinnig viel gespuckt und wir hatten Angst, dass du nicht genug zu essen bekommst. Jetzt bist du regelrecht proper – du vertilgst rund 800 bis 1000 Milliliter Milch am Tag! Und nicht nur das. Du liebst Fruchtquetschen, lutscht mit großer Hingabe Gurkenschnitze, Apfelschnitze und Banane. Auch Spinat, Croissants, Brötchen und Milchbrötchen sind hoch im Kurs. Du isst noch nicht viel und auch nicht oft – aber wenn, dann mit vollem Elan. Und mit dem ganzen Körper. Manchmal finden wir danach Essensreste an Stellen… 😀

Du liebst alles, was raschelt und knistert – und beißt genüsslich darauf herum. Auch von Musik bist du ein großer Fan. Geräusche aller Art machen dir unheimlich viel Spaß. Schon eine ganze Weile kannst du dich drehen, vom Rücken auf den Bauch und zurück. Anfangs bist du zwar in immer nur eine Richtung durch das Wohnzimmer gekullert, inzwischen kannst du dich aber in beide Richtungen drehen und wenden. Und seit ein paar Wochen fängst du sogar an, zu robben! Bald ist wirklich nichts mehr vor dir sicher. Schon jetzt versuchst du alles, was sich in Reichweite befindet, anzugrabschen. Auch, wenn Papa und ich die spannendsten Spielsachen (Laptop-Ladekabel, Handy, …) regelmäßig in Sicherheit bringen.

Unseren ersten kurzen Urlaub (drei Tage Berlin) hast du mit Bravour gemeistert – und wir auch. Du hast zwar das Reisebett mit Verachtung gestraft und lieber zwischen Mama und Papa im Queensize-Bett geschlafen, aber dafür warst du tagsüber richtig gut drauf. Wir waren viel spazieren und haben gut gegessen. Und die Biene hat ja Gott sei Dank mich gestochen und nicht dich.

So wirklich krank warst du noch nie, obwohl ich dich seit nun rund vier Monaten nicht mehr stille. Die Impfungen steckst du bisher auch gut weg und der Doktor hat bei den Vorsorgeuntersuchungen nichts zu meckern.

In den letzten sechs Monaten haben wir eine gewisse Routine entwickelt, alle Tage haben ein Grundgerüst. Das tut dir und auch mir gut. Wir kuscheln viel, vor allem morgens und mittags – und im Abend wird mit Papa gekuschelt. Die restliche Zeit verbringst du mit Spielen und Schlafen. So ein schönes Leben hätte ich auch manchmal noch gern! 😉 Aber weil du so gut schläfst, kann ich seit einigen Monaten wieder arbeiten.

Ich bin so gespannt, wie die nächsten sechs Monate mit dir werden. Wann wirst du wohl deinen ersten Zahn bekommen? Wie lange dauert es noch, bis du dich selbstständig aufsetzt, krabbelst, gar läufst?? Und wie werden die nächsten Jahre aussehen? Auch, wenn ich jetzt schon das Gefühl habe, dass die Zeit mit dir viel zu schnell vergeht, freue ich mich auf alles, was da kommt. Was wird dein erstes Wort sein und wie lange müssen wir darauf noch warten?
Ich warte gespannt und werde, wenn wir die näcshten Meilensteine erreichen, diese Dinge hier verbloggen. Als Erinnerung für mich und vielleicht, weil es auch andere Leute interessiert, wie du, meine kleine Maus, dich so entwickelst.

In Liebe
Deine Mama

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Wehmut

Ich weiß, ich bin spät dran. Aber es ist gerade viertel nach neun abends und damit zählt’s noch als heute. Ich war heute den ganzen Tag beschäftigt, deshalb komme ich erst jetzt dazu, zu schreiben. Die Kleine schläft, wir sitzen im Wohnzimmer und können uns entspannen.

Gestern abend hab‘ ich um die Zeit ein bisschen in meinen anderen Postings auf diesem Blog gestöbert. Den etwas älteren Postings. Angeregt dazu hat mich ein Kommentar, den ich gestern unter meinem zweiten „Monday Thoughts“-Post bekommen habe. Wer mag, kann den Kommentar von Ronja ja kurz lesen, ich warte hier so lange. 😉


Ich habe den Geburtsbericht gelesen, den ich hier vor einiger Zeit veröffentlicht habe. Den Post, in dem ich die Geburt meiner Tochter schildere. Ich habe mich zurück erinnert an die zwei Tage im Krankenhaus, bevor sie da war und die Anstrengung. Die Schmerzen. Die Aufregung. Und das wahnsinnige Glücksgefühl, als Felicitas dann endlich da war. Und wisst ihr was? Ich könnt schon wieder!
Also, ich sollte natürlich nicht schon wieder. Zum Einen ist die Schwangerschaft erst fünf Monate her und das wäre einfach unvernünftig, mit einem Säugling zu Hause schon wieder schwanger zu werden. Zum Anderen sollte man nach einem Kaiserschnitt mindestens ein (je nach Arzt-Meinung besser zwei) Jahr warten, bevor man wieder schwanger wird. Das wird geraten, damit man das Risiko einer Uterus-Ruptur verringert. Eine Uterus-Ruptur ist ein lebensbedrohlicher Riss, der unter der Geburt in der Gebärmutter auftreten kann. Lebensbedrohlich übrigens für Mutter und Kind. Und wenn man eh schon eine Narbe in der Gebärmutter hat, ist diese Stelle natürlich quasi eine „Sollbruchstelle“, vor allem in den ersten Monaten nach der Geburt. Deshalb werden wir natürlich noch warten. Aber ganz ehrlich? Ich möchte gern noch ein zweites Kind. Und, egal, wie anstrengend die Geburt von Felicitas war, ich würde das jederzeit wieder machen.

Deshalb bin ich ein bisschen „wehmütig“. Nicht, dass ich meiner ersten Schwangerschaft hinterhertrauern würde, aber es ist schon eine besondere Zeit. Schwanger zu sein und dann ein Kind zu kriegen, dass ist etwas ganz Besonderes. Ein Wunder. Und ich möchte das gern nochmal erleben. Nochmal ein Kind zur Welt bringen und all die Dinge, die ich im Moment tue, nochmal tun dürfen.

Irgendwann…